25 Jahre Fechtclub Kassel

Wenn andere Trainer ihm nicht in die Augen sehen, sondern möglichst unauffällig das Weite suchen, weiß der Kasseler Fechtmeister Daniel von der Ahé, was die Stunde geschlagen hat. Wieder mal hat ein Leistungszentrum versucht, eine seiner Fechterinnen abzuwerben. An solchen Situationen zeigt sich: Das Jahr 2018, in dem der Fechtclub Kassel (FCK) sein 25-jähriges Bestehen feiert, ist auch sportlich besonders erfolgreich.

Bei den Hessischen Meisterschaften gelang den A-Jugendlichen Katrin Meißner, Marta Seibel, Lilly Becker, Patricia Schulenburg und Elisa Süvern der komplette Triumph: Sie belegten die ersten fünf Plätze und düpierten die traditionell starke Konkurrenz aus Südhessen. Mit Patricia und Katrin haben zwei von ihnen derzeit ernsthafte Aussichten, die EM-Qualifikation zu schaffen.

Der FCK war vor 25 Jahren aus den Trümmern der durch die Profifußballer ausgelösten Insolvenz des Großvereins KSV Hessen Kassel hervorgegangen. Die damalige Fechtabteilung traf das hart, hatte sie doch ordentlich gewirtschaftet und musste nun mit ansehen, wie ihr Abteilungsvermögen Teil der Insolvenzmasse wurde. Kein Wunder, dass die Fechter sich nicht wieder einem Verein als Sparte anschließen wollten, sondern einen eigenen Verein gründeten.

Dabei konnten sie auf eine funktionierende Struktur mit erfahrenen Ehrenamtlichen und den französischen Fechtmeister Dominique Gauvillé setzen. Im fünften Jahr seines Bestehens musste der Verein Abschied von seinem unverwechselbaren Fechtmeister nehmen, der mit nur 56 Jahren verstarb. Heute erinnert das Jugendturnier des FCK an ihn, indem es als Gedächtnisturnier ausgerichtet wird. Gauvillés Nachfolger wurde Fechtmeister Daniel von der Ahé.

Eine weitere schwere Zeit musste der Verein durchstehen, als die Heinrich-Schütz-Schule - viele Jahrzehnte Trainingsort der Fechter - saniert und umgebaut wurde. Zunächst fand der FCK provisorisch und mit extrem hohen Kosten verbunden Unterschlupf in einer ehemaligen Bundeswehr-Sporthalle. Doch dann stellte sich heraus, dass die Schütz-Schule nach dem Umbau für die Fechter gar nicht mehr zu nutzen sein würde. In enger Zusammenarbeit mit dem Sportamt Kassel wurde eine ideale Lösung gefunden: Mit viel Eigenarbeit wurde die still gelegte Kegelanlage in der Königstorhalle in eine Fechthalle mit fest installierten Fechtbahnen umgebaut - von so einem Ort hatten die Kasseler Fechter immer geträumt. Auch ein großer Wasserschaden in der Halle konnte sie auf dem Erfolgskurs nicht mehr aufhalten, heute ist die Halle ihr großer Stolz.

Sportlich setzt der Fechtclub Kassel vor allem auf zwei Standbeine; den Nachwuchs und die Senioren. Die hohe Quote von Kindern und Jugendlichen im Verein, gut 50 Prozent, und die oben exemplarisch genannten Erfolge der Degenfechterinnen machen deutlich, wie gut diese Arbeit läuft. Für Aufsehen sorgen daneben immer wieder die Senioren, die national wie international vorne mitkämpfen. Franz Hirt, der mittlerweile das 80. Lebensjahr überschritten hat, wurde von der HNA nicht umsonst "Mister Fechten" genannt, hat er doch eine eindrucksvolle Titelsammlung vorzuweisen.

Heute ist der FCK längst zu einem festen Bestandteil der Kasseler Stadtgesellschaft geworden und glänzte unter anderem mit Einlagen beim Sportlerball und beim Festzug zum Stadtjubiläum 2013. Dann und wann setzt er ganz eigene Akzente, etwa durch eine Vereinshymne, die keine getragenen Melodie hat, sondern ein treibender, selbstironischer Ska-Song ist (auf der Vereinshomepage nachzuhören).

Nach 25 Jahren Eigenständigkeit muss man sich um die Zukunft jedenfalls keine Sorgen machen, vom Fechtclub Kassel wird noch viel zu hören sein.

(Olaf Dellit)

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